Ein Gebäude wird bunt: Schwarzenbacher Schülerinnen und Schüler bemalen ihr Schulhaus

Ein besonderes Projekt: 250 Kinder gestalten das zum Abriss bestimmte Schulhaus Hofacker in Schwarzenbach um.

 

Wie sähe das Schulhaus Hofacker in Schwarzenbach in 100 Jahren aus, wenn es, völlig verlassen, der Natur überlassen würde? «Alles wäre voller Gestrüpp und Pflanzen. Und Tiere würden hier wohnen», sagt eine Primarschülerin des Schulhauses. Ein Knabe ergänzt: «Es würden Bäume aus dem Fenster wachsen.»

 

Die beiden sind Teil einer 10-köpfigen Gruppe, die am Mittwochvormittag alle 250 Kinder des Schulhauses Hofacker über ein besonderes Projekt informiert hat: Unter dem Motto «Magie der Vergänglichkeit» dürfen sie das ganze Schulhaus umgestalten. Als die versammelten Schülerinnen und Schüler sowie Kindergartenkinder vom Projekt erfahren – bis dahin war es geheim–, geht ein aufgeregtes Raunen durch die Menge.

 

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt
Auslöser für das Projekt ist, dass das 50 Jahre alte Schulhaus demnächst abgerissen wird. Voraussichtlich im Herbst ziehen die Klassen in einen Neubau. An der Stelle des jetzigen Gebäudes entsteht ein Spielplatz. Lehrerin Katrin Pedrazzi erklärt: «Wir freuen uns auf das neue Schulhaus. Bevor aber das alte Gebäude abgerissen wird, wollten wir die Gelegenheit nutzen, diesen Prozess mit unseren Schülerinnen und Schülern aktiv mitzugestalten.» Im Team sei so die Idee entstanden, das Gebäude gemeinsam zu bemalen und so die Vergänglichkeit des Materiellen zu thematisieren und zu visualisieren.

 

Nun ist der Startschuss gefallen. Gleich nach der Versammlung tragen die Kinder ihre ersten Ideen zusammen, fertigen Skizzen an: zerfallende Wände, verschlungene Lianen, Mäuse, wilde Tiere, Schilder, die vor der Einsturzgefahr warnen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. «Jetzt hab’ ich grad megaviele Ideen», meint einer der Schüler voller Eifer.

 

«Nur übermalen ist nicht erlaubt»
Den ganzen März hindurch arbeiten die Klassen unter der Leitung ihrer Lehrpersonen jeweils zweimal in der Woche während etwa fünf Lektionen an der Verschönerung ihres Schulhauses. Gänge, Türen, Fensterrahmen, Wände, sogar Decken– nichts ist vor der Verwandlung sicher. Einschränkungen gibt es fast keine, alle dürfen überall malen, Reservationen für bestimmte Flächen gibt es nicht. «Nur übermalen ist nicht erlaubt. Weitermalen hingegen schon», erklärt Pedrazzi. Jeden Mittwochnachmittag im März sind auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Jonschwil und Schwarzenbach eingeladen, kreativ zu werden.

 

Künstlerische Unterstützung erhält das Projekt von der Schule für Gestaltung St. Gallen. So besuchen bereits nächste Woche einige Studierende das Schulhaus Hofacker. Im Mai werden sie ausserdem eine Aussenwand bemalen, während die Hofacker-Schüler sich nur im Innern künstlerisch austoben.

 

Dem Malen mehr Platz einräumen
Natürlich stecken hinter dem Projekt auch pädagogische Gedanken. Pedrazzi: «Es geht darum, gemeinsam ein riesiges Bild zu malen, zusammenzuarbeiten und aufeinander Rücksicht zu nehmen.» So vergänglich wie der Projektname andeutet, ist das Ganze aber doch nicht. Der Gestaltungsmonat soll in Fotos und Videos festgehalten werden. Und an der Vernissage am 1. Mai sollen die Besucher über QR-Codes sogar Infos zu den Bildern erhalten. Pedrazzi ist gespannt auf das Resultat: «Es ist schwierig, sich vorzustellen, wie das Ganze aussehen wird.» Die Schülerinnen und Schüler können die bunte Umgebung auf jeden Fall noch einige Monate geniessen, bevor sie umziehen.

 

Text und Bild: Tobias Tödi, St.Galler Tagblatt 26.2.2020

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